Die Arbeitswelt befindet sich in einem rasanten Wandel. Die Organisation der Arbeit wird an schwankenden Marktanforderungen, der Konkurrenz auf den Weltmärkten und anspruchsvolleren Kundenwünschen ausgerichtet. Die individuellen Arbeitszeiten werden variabler. Parallel dazu sind die Ansprüche der Menschen an die Gestaltung ihrer Arbeitszeit gestiegen. Im Mittelpunkt steht die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit mit Familienleben, mit ehrenamtlichem Engagement, mit stabilen Freundschaften, mit regelmäßiger Erholung und mit Zeit für sich selbst.
Stellschrauben der Arbeitszeit
Die Arbeitszeitregelungen beziehen sich auf drei Dimensionen – Dauer, Lage und Verteilung. Ziel der Unternehmen ist die Produktivitätssteigerung. Ziel der Beschäftigten ist eine Balance von Erwerbsarbeit und Privatleben. Diese Spannung gilt es in beidseitigem Interesse zu klären – das ist die Herausforderung.
Zeitregelungen
Formen der Regulierung von (flexiblen) Arbeitszeiten, die einen Ausgleich verschiedener Zeitinteressen versprechen, kommen daher besondere Bedeutung zu. Eine Möglichkeit ist die Einrichtung von Zeitkonten, die einerseits flexible Mehrarbeit zulassen, andererseits die Nutzung angesparter Zeit nach persönlichen Bedürfnissen ermöglichen. Darüber hinaus können zeitlich begrenzte Ausnahmeregelungen vereinbart werden, z.B. sogenannte „Muttischichten”.
Arbeitsgestaltung
Die Arbeitszeiten wie auch die Arbeitsbelastung haben wesentlich mit der Organisation von Arbeit zu tun. Dazu gehören Fragen wie beispielsweise: Wann und wie werden Einsatzpläne erstellt – haben Beschäftigte die Möglichkeit, ihr Privatleben zu planen und können sie bei der Gestaltung mitreden? Wie werden die Zeiten genutzt, müssen die Beschäftigten beispielsweise das notwendige Arbeitsmaterial lange suchen, viele überflüssige E-Mails durchsehen oder ineffiziente Besprechungen zeitlich stemmen?
Gute Praxis zur Arbeitszeit in der Ernährungsindustrie
In einem Backwarenunternehmen wird eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt. Betriebsrat und Geschäftsführung entwickeln gemeinsam den Fragebogen. Die Auswertung ergibt: Der Schuh drückt besonders bei der kurzfristigen und wechselhaften Schichtplanung. Die Folge: Produktionsleitung, Betriebsrat und Mitarbeiter/-innen setzen sich zusammen und entwickeln entlang des in der Befragung benannten Bedarfs ein neues Modell. Dieses wird derzeit in einer Abteilung erprobt. Funktioniert das neue Modell besser als das alte, wird es ausgeweitet.
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